Interdiziplinäre Arbeitsgruppe Redeflussstörungen

Schwerpunkt

In Zusammenarbeit mit der Abteilung Phoniatrie/Pädaudiologie bieten wir diese Ambulanz an. Das Ziel ist die Diagnosesicherung chronisch idiopathischen Stotterns und die Beratung bezüglich Lebensqualität und Therapiemöglichkeiten.

Nach Anmeldung an der Leitstelle der Poliklinik Neurologie mit Überweisung durch einen niedergelassenen Arzt/Ärztin erfolgt eine ausführliche Erhebung der Vorgeschichte und eine klinisch-neurologische Untersuchung. Patienten werden gebeten, zu diesem Termin sämtliche ihnen zugänglichen Befunde aus Voruntersuchungen (z. B. alte Arztbriefe, Laborwerte, kernspintomographische Aufnahmen) mitzubringen.

Anschließend erfolgt eine fachlogopädische Diagnostik.

Die ambulante Vorstellung dient einer ersten möglichst präzisen Einordnung der Symptomatik und der gezielten Planung des weiteren Procedere und ggf. geeigneter Therapiemöglichkeiten. Im Rahmen der Ambulanz sind ggf. auch Familienuntersuchungen nach vorheriger Anmeldung möglich.

Wir weisen darauf hin, dass wir keine eigene Stottertherapie anbieten.

Was ist Stottern

Stottern ist eine häufige Redeflussstörung mit unfreiwilligen Wiederholungen von Silben und Lauten (z.B.: „g-g-ge-ge-genutzt“, „De-de-de- dienstbesprechung“), Dehnungen von Lauten („ffffffffffffrüh“) und Blockierungen vor oder in einem Wort.

Versuche, ein Stotterereignis zu beenden oder zu vermeiden, äußern sich in Begleitsymptomen wie Anstrengung, Mitbewegungen, Atemveränderungen oder verbales und situatives Vermeiden. Betroffene Personen reagieren mit Sprechangst und Schamgefühlen (Bloodstein and Ratner, 2008).

Ca. 7 Millionen Menschen in Europa stottern. Stottern betrifft mindestens 5 % aller Kinder und weist bei diesen eine erstaunliche Heilungsrate auf. Derzeit ist weder klar, warum Stottern entsteht, noch, warum es bei vielen mehr oder weniger spontan und vollständig wieder verschwindet. Nach der Pubertät sind Heilungen äußerst selten, und ca. 1 % aller Erwachsenen stottern, mit negativen Auswirkungen auf soziale Kontakte, Berufschancen und die persönliche Entwicklung (Yairi and Ambrose, 1999).

Nachdem viele Jahrhunderte Unklarheit über die Entstehung des Stotterns herrschte, häufen sich in den vergangenen Jahren Belege aus der Neurowissenschaft, dass Stottern sowohl mit morphologischen als auch mit funktionellen Veränderungen des Gehirns verbunden ist (Brown et al., 2005; Buchel and Sommer, 2004; Salmelin et al., 2000).

Unser Ziel ist es, mit neurophysiologischen Methoden und mit Neuroimaging grundlegende neurobiologische Prozesse des Stotterns und dessen Entwicklung aufzudecken. Neue Erkenntnisse wollen wir mit Therapeuten und Betroffenen kommunizieren um zukünftig die Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Therapiemethoden voranzutreiben.

Aus der Perspektive neurologischer Bewegungsstörungen heraus interessiert uns der zeitweilige Verlust motorischer Kontrolle beim Stottern, und dessen Veränderbarkeit durch Therapie oder Spontanverlauf. Wir untersuchen neurologische Korrelate und Ursachen dieser Kontrollverluste mit neurophysiologischen und bildgebenden Methoden.

In den letzten Jahren Studien haben Studien an erwachsenen Stotternden in Vordergrund gestanden und eine Reihe wesentlicher Erkenntnisse gebracht (Literatur).

Die Henne-oder-Ei–Frage (Ursache oder Folge) der Auffälligkeiten an stotternden Erwachsenen kann aber nur an Kindern geklärt werden.

Daher beginnen wir derzeit mit einer DFG-geförderten Studie zur Bildgebung bei ca. 6jährigen bis ca. 8jährigen Kindern, die stottern. Wir wollen diese bildgebend und im Zeitverlauf klinisch untersuchen. Im Idealfall werden wir in der Lage sein, bildgebende oder klinische Prädiktoren für den Verlauf (Persistenz oder (Spontan)heilung) zu finden. Dies würde eine spezifischere Fokussierung der Therapie auf Kinder mit großem Risiko der Persistenz des Stotterns erlauben.

Zudem wollen wir an Erwachsenen vor und nach Therapie prüfen, inwieweit Therapie Hirnstruktur und Hirnfunktion ändert, und ob das Ausmaß der Veränderungen mit dem Ausmaß der Verbesserung der Sprechflüssigkeit korreliert.

Ziele und Methoden

Ziel unserer Arbeitsgruppe ist das bessere Verständnis der Pathophysiologie von Redeflussstörungen, insbesondere des in der Kindheit entstehenden Stotterns.

Dazu verwenden wir je nach Fragestellung neuroradiologische (strukturelles und funktionelles MRT) und  neurophysiologische Methoden, insbesondere die transkranielle Magnetstimulation und die Elekroenzephalographie.

Für Patienten & Eltern stotternder Kinder

  • Wenn Sie stottern und bei unseren Untersuchungen zum besseren Verständnis des Stotterns mitmachen wollen, schreiben Sie an Prof. Sommer eine email msommer(at)gwdg.de
  • Stotternde mit Fragen zu Therapie und Therapiezufriedenheit wenden sich bitte an die unabhängige Beratungsstelle der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V., Zülpicher Straße 58, 50674 Köln, Telefon: 0221 139-1106, Telefax: 0221 139-1370, E-Mail: info(at)bvss.de Dieser Verein unterhält eine sehr informative Webseite (www.bvss.de) mit vielfältigen Informationen zum Stottern. Dieser Verein ist keine öffentliche Institution, sondern ein von Stotternden und anderen Engagierten getragener Verband, der auch auf Ihre Unterstützung angewiesen ist und Spenden gut gebrauchen kann. Wir weisen empfehlend darauf hin.

Team

Oberarzt

Prof. Dr. Martin Sommer

Kontaktinformationen

Neurowissenschaftlerin

PD Dr. rer. nat. Nicole Neef

Kontaktinformationen

Leitung Phoniatrie/Pädaudiologie

Prof. Dr. med. Arno Olthoff

Kontaktinformationen

Projekte für Promotions- oder Bachelor/Masterarbeiten

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Christine von Arnim, Abteilung Geriatrie, UMG
  • Prof. Dr. Frank Petzke, Anästhesiologie, UMG

Medizinische Doktorarbeiten

MD theses in preparation:

  • Anna Elfers, Thema: „Speech-related balance of inhibition and facilitation in the tongue motor cortex in persistent developmental stuttering“, (in Vorbereitung), Universität Göttingen
  • Daniela Ponssen; „Darstellung von Artikulationsbewegungen stotternder Erwachsener in der Hochgeschwindigkeits-Magnetresonanztomographie“, (in Vorbereitung),
  • Susanne Dickhut
  • Lea Ufermann
  • Marius Hergt
  • Nikolai Tabakov

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